Eiskalt

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Heute ein Thema, dass alle Bergsteiger, ja alle Outdoor Begeisterten immer wieder beschäftigt oder sogar belästigt: Kälte. Frieren.

Ahhh wie ich es hasse, wenn langsam auch der letzte Rest Wärme aus dem Körper weicht. Sich stattdessen die Kälte langsam und heimtückisch in jede kleine Ritze schleicht und mich langsam lähmt. Ein eisiges Gefühl überzieht den ganzen Körper. Meist fängt es in den Füssen an und kriecht dann langsam hoch. Die Zähne klappern, man schlottert, die Hände, taub und gefühllos, können den Pickel nur noch mit Mühe halten. Und die Haue des Pickels ist ja auch noch kalt! Ich denke an eine heisse Dusche, die Gluthitze auf dem Gletscher von gestern (die ich dann natürlich zu heiss fand!) ach wie schön wärs… Stattdessen wirbelt der Wind kleine Eiskristalle in mein Gesicht, sie stechen wie tausend spitze Nadeln. Ich könnte einen Beautysalon eröffnen und Eispeeling anbieten… Lange währt die Businessidee nicht, ich muss jetzt schauen, dass ich hier rauskomme – oder besser rein, in die warme, gemütliche Berghütte! Aber die ist noch weit weg und der Wind bläst immer stärker, zerrt an der Jacke und wirbelt Schnee und Eis in mein Gesicht und jede kleine Ritze, die nicht ganz dicht ist. Wie haben nur die Pioniere des Bergsteigens dieses garstige Wetter ausgehalten? In Filz und Wolle gehüllt, das bei Nässe klamm und schwer wird. Da darf ich mich mit meinen super Funktionskleidern eigentlich gar nicht beklagen. Und trotzdem ist mir kalt. Eiskalt. Ohne Wind wäre es auszuhalten, aber der stürmt, fährt in alle Kleider und trägt die ganze Wärme mit sich fort.

Frieren macht willenlos. Hat man erst einmal richtig kalt, schleicht sich die Kälte auch ins Gehirn, scheint mir. Irgendwann friert man so, dass eigentlich alles egal ist. Alles, Hauptsache nur, es wird mir wieder warm. Eine gefährliche Sache am Berg, auf einem Grat oder einer Route, wo man die Sinne beisammen haben müsste! Ich fragte mich immer, wie das geht. Dass sich diese zähen Bergsteiger an den Achttausendern einfach aufgeben. Einfach nicht mehr wollen und sich hinsetzen, gleichgültig ob das ihr Todesurteil ist. Das kann man sich einfach nicht vorstellen, man hängt doch am Leben, und je gefährlicher die Situation, umso mehr! Aber seit ich einmal selber so fror, dass mir vieles gleichgültig wurde, kann ich es mir vorstellen. Man mag einfach nicht mehr, kann nicht mehr, ist so gelähmt vor Kälte und hat keine Kraft mehr. Hände und Füsse spüre ich schon lange nicht mehr, das Gehirn ist vernebelt vor Kälte, starr gefroren die Gedanken. Irgendwann gibt man dann wohl einfach auf. Ich habe es zum Glück früh genug zurück in die Wärme geschafft. Die Eindrücke aber waren sehr stark und sind mir noch sehr präsent. Noch heute mag ich keinen Wind. Meine Sichtweise hat sich stark verändert. Früher dachte ich, ach, dann frier ich halt ein bisschen, so schlimm kann das ja nicht sein, unangenehm, aber wer wird den schon erfrieren in der Schweiz. Weit gefehlt! Das geht einfacher und schneller als man denkt! Ich bin seither viel vorsichtiger, achte genau darauf, dass mein Tourenpartner und ich nicht zu kalt zu bekommen.

Frieren kann schnell tödlich sein. Das habe ich gelernt! Obwohl Erfrieren ja angeblich ein schöner Tod sein soll. Ich bin aber ziemlich überzeugt, dass es sehr lange und sehr schmerzhaft ist, bis es dann ganz am Schluss schön wird. Zum Glück bin ich ein ungeduldiger Mensch!

Foto by René Todt ©

 

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