Was motiviert mich, immer wieder auf Berge zu steigen?

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„Warum tust du dir das an? Die ganzen Strapazen, so lange laufen, in der Hütte im Massenlager schlafen, kein WC, kein fliessend Wasser, so früh aufstehen. Und dann ist das ja mega gefährlich?!“

Ja gute, Frage, die habe ich mir ja auch schon gestellt, nach der siebten Stunde in der Gluthitze runterlatschen, mit schmerzenden Füssen und brennendem Durst. Oder mit eiskalten Händen in einer Mehrseillänge, es weht ein so kalter Wind dass ich die Primaloftjacke anziehen muss (Glück, wenn ich eine dabei habe!). Warum also macht man das? Warum kann ich nicht Wellnessferien mögen? Oder Shoppingtouren oder so, das wäre ja soviel einfacher und bequemer – aber nein, ich muss ja freiwillig im Wind und brüchigem Gestein hängen und mich in Gefahr bringen.

„Because it’s there“, antwortete George Mallory damals auf die Frage, warum er den Everst besteigen wolle. Hat was. Sie sind da, sehen irrsinnig schön aus und kitzeln einfach den Ehrgeiz, auf den Gipfel hochzusteigen oder den wunderschönen Grat zu begehen. Hat man aber den ersten bestiegen, wird es zum Selbstläufer – von jedem Gipfel, auf dem ich stehe, sehe ich mindestens drei andere, die ich erklimmen will. Gezackte Grate oder formschöne Linien, von oben sieht es fast noch verlockender aus.

„Je höher du auf einen Berg hinaufgehst, desto kleiner werden deine Sorgen. Dort oben entsteht eine Klarheit des Denkens, die nirgendwo anders möglich ist.“

Dieses Zitat von Friedrich Stickler trifft es vielleicht noch besser. Man lebt so sehr im Augentblick, konzentriert, keine Fehler zu machen. Der Augenblick ist alles was zählt, und ich bin reduziert, auf mich selber, meine Fähigkeiten und natürlich meinen Seilpartner. Alle anderen Sachen werden unwichtig, man lebt einfach, im hier und jetzt. Diese Momente sind sehr intensiv, man spürt das Leben richtig in sich. Und natürlich das Hochgefühl auf dem Gipfel, wenn die Route alles gefordert hat, lang war und ich mich durchbeissen musste. Der Moment der Zufriedenheit, wenn es auf allen Seiten nicht mehr weiter hoch sondern nur noch runter geht. Natürlich bin ich dann noch lange nicht am Ziel, der Gipfel ist erst die Hälfte der Tour. Aber trotzdem ist er ein Höhepunkt – im wahrsten Sinn des Wortes!

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