Frauen am Berg?!

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Mein Tourenpartner macht sich auf Touren und in den Hütten immer ein mega Spass daraus, allen auf die Nase zu binden, dass sie hier im Fall besser klettert und meist Seilführerin ist. „Hahaha, du musst deren Gesicht sehen, wenn die checken, dass das Mädel da möglicherweise mehr drauf hat als die selber“, grinst er spöttisch und freut sich diebisch. Er ist ein Mann – aber selbstbewusst und sich seiner Sache sicher genug, dass ihn so was überhaupt nicht stresst. Eine Frau geht voraus oder klettert stärker? Um so besser! Da ist Mann höchstens stolz mit ihr am Seil zu sein.

Eine tolle Einstellung – aber leider nicht gerade der Normalfall. Noch immer wird automatisch ER gefragt, wie die Bedingungen sind, wo die Route durchgeht, ob man die Route einfach findet. Jeder nimmt automatisch an, dass ER führt, dass sie nur die Freundin ist, die hinten am Seil hochgeschleppt wird.

Darum liebe Frauen, haben wir noch viel zu tun! Frauen und Männer sind nicht genau gleich – aber das müssen sie auch nicht sein! Die beste Seilschaft ist doch jene, welche die Vorteile von beiden Geschlechtern optimal ausnutzt. Ihre Technik und Geschick, seine Körpergrösse und Kraft zum Beispiel. Ich bin keine Emanze, die Männer doof findet, im Gegenteil. Ich finde einfach, zusammen wären wir am stärksten! Aber dazu müssten alle (auch wir Frauen, ja so ist es leider!) verstehen, dass wir zwar verschieden sind, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Dass Verschieden nicht besser oder schlechter heisst, einfach nur anders. Dann können wir die Vorteile optimal ausnutzen und noch viel coolere Routen schaffen! Es gibt ja zum Glück nie nur einen Weg auf den Gipfel.

Das ist ein Thema, das mich wirklich auf die Palme treibt. Frauen, die sich nichts zutrauen oder automatisch denken, Männer sind besser, das macht mich richtig stinkig. Freundinnen, die finden, für die schweren Touren müssten wir schon mindestens einen Mann mitnehmen, für alle Fälle. Hallo? Was für Fälle den bitte?? Ich gehe gerne mit Männern in die Berge, viele der schwersten und schönsten Touren habe ich mit obigem Seilpartner gemacht. Aber trotzdem wünsche ich mir etwas mehr Frauen am Seil. Und nicht nur Frauen, die ihrem Freund artig hinterher dackeln und ihn brav anhimmeln und Ruhm und Ehre überlassen. Frauen, die wissen was sie können und auch mal führen. Die Touren selber in Angriff nehmen und die Verantwortung dafür nicht scheuen. Klar, vorne am Seil bläst der Wind stärker. Aber ich bin der Meinung wir Frauen können das.

Erfindungen wie Frauengruppen in Kursen – gut gemeint, aber der Sache überhaupt nicht dienlich. Da werden wir wieder separiert, bekommen eine (meist einfachere) Extrawurst vorgesetzt, weil es besser sein soll für uns. Lasst uns mal schön selber entscheiden was gut ist für uns! Vielen Dank. In den Bergen müssen wir ja auch mit den Männern klarkommen – da ist nix mit Frauenrouten. Wir wollen ja auch die Männer nicht ausschliessen, gleich heisst keine Sonderbehandlung! Ich finde der Idealfall wäre miteinander nicht gegeneinander oder separariert…

Darum hier meine Buchempfehlung für alle, die meiner Meinung sind, es werden sollten. Oder alle, die einfach was spannendes Lesen wollen:

Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen

Von Caroline Fink und Karin Steinbach Tarnutzer, Tyrolia Verlag

Ein Kommentar

  1. Danke für deinen Kommentar und deinen Buchtipp, den ich hier entdecke! Wer in einer kleinen Pause Lust auf vier O-Töne aus dem Buch hat, hier eine kleine Multimedia-Story dazu. Sie ist schon älteren Datums, aber was die 96-jährige Monica Jackson und Lynn Hill vor für Jahren sagten, dürfte auch heute noch gelten: https://vimeo.com/41139295

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