Alles normal oder was?!

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Unwort des Jahres: Normal. Ich hasse dieses Wort. Normal. Der Duden sagt dazu: der Norm entsprechend, vorschriftsmässig. So beschaffen, wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt. Da kann einem echt schlecht werden. Wer macht sie denn, diese Norm? Wer masst sich hier an, zu entscheiden, was die Vorschrift ist? Wessen Norm ist hier Gesetz? Die allgemeine Meinung, hmmm, ja die ist natürlich wichtig. Es muss ja eine Regel geben, eine Vorschrift, wie man zu sein hat, ein Raster, an das sich alle halten können. Sonst bräche ja das Chaos los, wo kämen wir denn da hin. Wenn jetzt jeder so wäre wie er gerade Lust hat? Wenn jeder glücklich wäre damit, wie er ist?

Aber nein, so geht das nicht. Normal muss man sein, 0815, ins Raster passen, ins allgemeine Bild. Ein graues Häuschen in einer Reihe grauer Reihenhäuser, mit schön gepflegtem Gärtchen vor der Tür, ein Bäumchen, ein Bänklein und ein Zaun, der schön abgrenzt und alles Anormale aussperrt. Wehe dem, der sein Häuslein bunt anmalt, den Zaun nieder reist und wilde Blumen und Sträucher in sein Gärtlein pflanzt! Wehe dem, der bunte Feste feiert, fröhliche Lichter aufhängt, Musik spielt, singt und tanzt in seinem Gärtchen. Wehe dem der glücklich ist! Was werden die Nachbarn sagen, aufgeschreckt von all dem Lärm, dem Licht! Irritiert von den Geräuschen und Farben des Lebens, da drüben im Gärtchen des Nachbarn! So geht das nicht, das passt doch nicht ins Bild, was fällt dem nur ein… Normal muss man sein!

Normal ist doch wirklich eine merkwürdige Sache. Warum muss man denn normal sein? Wem nützt das denn? Warum haben alle so viel Angst vor etwas, was nur ein bisschen anders ist? Bräche wirklich gleich das blanke Chaos los? Würde die Welt aus den Fugen geraten? Wenn ja, dann wage ich zu fragen, ist sie das nicht schon? Warum muss man sich überhaupt überlegen ob man normal oder anders ist? Was wenn jeder einfach nur ist? Ich denke, also bin ich. Warum reicht das nicht? Heisst es denn Ich denke normal also bin ich? Wohl nicht. Und doch, man hat es einfacher wen man in die Norm passt, nicht auffällt und aus der Reihe tanzt.. Man kann einfach verschwinden, in der Anonymität der normalen, grauen Häuschen.

Antonym von normal ist anormal. Aha. Normal, das Gegenteil davon ist also nicht normal. Was also ist normal? Sein oder nicht sein… Normal scheint mir eine recht philosophische Sache zu sein. Und auch recht schwammig. Meist beschreibt ja das Gegenteil von etwas die Sache selber ganz gut. Heiss und kalt, dunkel und hell… Ein Gegensatz, das Ying, das schon klar macht, wie das Yang ist, weil ein Gegensatz. Wie kann etwas, was keinen Gegensatz hat, klar und begreiflich sein?

Vielleicht kommen wir ja mit Synonymen von google weiter: [allgemein] gebräuchlich/üblich, alltäglich, an der Tagesordnung, bewährt, durchschnittlich, eingebürgert, eingefahren, eingeführt, gangbar, gängig, gang und gäbe, gewöhnlich, herkömmlich, landläufig, ordinär, regulär, traditionell, üblich, usuell, vertraut, [weit]verbreitet; konventionell

Mir scheint, viele dieser Wörter haben einen etwas schalen, faden und abgestanden Beigeschmack… eingefahren, gewöhnlich, durchschnittlich. Normal ist dann wohl ok, aber kein Höhenflug. Nichts Besonderes, nicht gut, nicht schlecht, einfach etwas grau und angestaubt… nicht schwarz, aber auch nicht bunt… Kann man mir da einen Vorwurf machen wenn ich da drauf keine Lust habe?

 

 

 

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