Geschenkte Tage

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Es gibt Tage, die sind einfach geschenkt. Tage, an denen man das Gefühl hat, sie gehören nicht zum normalen Leben, die sind irgendwie extra. Ein Geschenk des Lebens an uns. Um es noch ein bisschen schöner und lebenswerter zu machen. Eine Verschnaufpause von allem. Tage, die vergehen wie in bunten Seifenblasen. Tage, die über dem normalen Leben schweben. Tage, an denen man sich so lebendig und glücklich fühlt, dass es schon fast weh tut. Man fragt sich, ob das wirklich das Leben ist, ob es wirklich einfach so perfekt wunderschön sein kann. Ohne wenn und aber, ohne den kleinsten Hacken oder dunklen Flecken.

Ein Tag in den Bergen, im Alpstein. Im Tal ist Nebel, er hängt seit Wochen, fett und grau. Macht sich breit, kriecht in jeden Winkel und mottet alles zu mit seinem grauen Mief. Arrogant macht er sich breit, nistet sich ein wie ein ungebetener Gast, den keiner eingeladen hat, der sich frech aufs Sofa pflanzt. Klebrig und schleimig, kriegt man ihn fast nicht mehr raus. Die ganze Anreise, unter einer undurchdringlichen grauen Decke. Meine Gedanken sind auch schon ganz grau und neblig von diesem Dunst. Und dann, plötzlich, kurz vor den Felsen, sehen wir ein Loch in der grauen Decke. Und noch ein paar Meter höher, stehen wir plötzlich über dem Nebel! Einfach so, im klarsten Licht, der Himmel ist stahlblau, die Sonne blendet, es ist ganz ungewohnt hell. Merkwürdig, wie man ein paar Meter weiter unten schon nicht mehr wusste, wie ein klarer Tag aussieht und jetzt, über den grauen Wolken, kann ich mir schon fast nicht mehr vorstellen wie es drunter war. Von oben, im hellen Sonnenlicht, sieht der Nebel sogar schön aus, wie dichte weiche Watte, man hat direkt Lust sich einfach reinfallen zu lassen, zu springen und federn, wie auf einem überdimensionalen Trampolin. Der Nebel füllt das ganze Tal auf, es sieht nahe und weich aus. Und wir hier drüber! Ist das vielleicht ein Leben, ein Gefühl. Wo wir ja sicher waren, heute nicht mehr aus der grauen Suppe zu kommen – stehen wir in der hellen Sonne. Der Fels ist ganz warm, eine Südwand, perfekt zum klettern, sogar jetzt im Winter. Wenn die Sonne scheint ist alles anders, wärmer, fröhlicher und einfacher. Das Leben wird leicht, im Gegensatz zu den Routen, die wir klettern. Dabei ist trotzdem jeder Zug ein Genuss, jeder Griff ein warm und wich wie samt. Einmal zieht ein Bartgeier seine Kreise ganz Nahe über uns, ich halte mitten in der Route inne um ihn fliegen zu sehen. Wie frei er ist! Ich bin einfach nur glücklich. Ein Tag in der Sonne statt im Grau. Ein Geschenk des Lebens, vielleicht um zu sagen, hey so schlecht ist es doch gar nicht, du kommst schon nicht zu kurz, nur keine Angst. Im Dezember im Gras liegen und Kaffee kochen. Im T-Shirt klettern, den warmen Fels spüren und einfach nur leben. Alle Sorgen liegen unter der grauen Watte, hier oben ist nichts, was das Leben schwer macht. Nur leichte, feine Sonne am klaren blauen Himmel.

Wo kommen sie her, diese geschenkten Stunden? Haben wir sie verdient? Oder bekommt sie jeder? Einfach so, gratis dazu? Oder wäre am Ende vielleicht jeder Tag ein solch geschenkter Tag und wir merken es einfach viel zu wenig oft? Weil wir uns über belanglose Kleinigkeiten aufregen, Probleme sehen wo gar keine wären? Weil wir aus Mücken ganze Herden von Elefanten züchten. Vielleicht sollten wir besser aufpassen, dass uns keiner dieser Tage durch die Lappen geht. Vielleicht können wir unsere normalen Tage selber zu geschenkten Tage machen, wenn wir unsere Sorgen und Probleme einfach in graue Watte packen, verheddert wie in einem Spinnennetz, wo sie nicht rauskommen. Und dann schmeissen wir das graue Bündel einfach ins Tal und liegen oben im warmen Gras, lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen und kochen Kaffee.

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