Warum man immer noch über Toleranz schreiben muss

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Über Toleranz wird viel geschrieben und noch mehr diskutiert. Vielleicht zuviel. Und trotzdem, das Thema ist ein Dauerbrenner und noch immer stösst man auf so viel Intoleranz, dass ich doch noch mal was dazu sagen will.

Was ist Toleranz? Leben und Leben lassen. Ist ja mega einfach oder? Aber damit ist es dann oft plötzlich sehr weit her. Schnell ist die Schublade geöffnet, das Gegenüber darin verstaut, das Vorurteil gemacht.

Viele bezeichnen sich als tolerant und weltoffen, muss man ja schliesslich sein, heutzutage, das gehört zum guten Ton. Aber neben dem Asylzentrum wohnen? Also bitte, das dann doch nicht, übertreiben wollen wir ja mal nicht. Die Tochter ist lesbisch, der Sohn ein Punk – du meine Güte, so haben sie es ja schon nicht gemeint mit der Toleranz.

Leute beurteilen, ohne zu wissen, was deren Geschichte ist. Was sie erlebt haben, was sie zu dem macht, was sie heute sind und vor allem, warum sie so handeln. Vielleicht tun sie Dinge, die ich gerade nicht verstehe – aber vielleicht würde ich es verstehen, wenn ich ihre Geschichte kennen würde. Und selbst wenn nicht – ich muss ja nicht alles verstehen, solange es mich nicht beeinträchtigt in meinem Leben, warum sollte es mich stören? Warum stören sich Fleischesser ab Veganern? Sie tun ihnen ja nichts (jaja, ausser den Kühen das Essen wegessen, schon klar). Warum hört bei vielen die Toleranz gleich bei ihrem eigenen Horizont auf? Warum kann man sich nicht einfach mal auf etwas Unbekanntes einlassen, mal was ausprobieren was man nicht kennt. Oder einfach nur stehen lassen ohne Vorurteil, längst nicht alles muss man selber versuchen. Ist es Angst vor dem Unbekannten, Angst, es würde dann doch das eigene Leben beeinflussen? Verlustangst vielleicht, Angst, dass die eigene kleine heile Welt aus den Fugen gerät und das Neue die mühsam zusammengehaltene Idylle zerstört? Alles Neue macht erst mal Angst – aber dann ist da doch Neugier! Es könnte nämlich sein, dass man ein wunderschönes, interessantes Abenteuer verpasst!

Auch viele der sogenannten Aussteiger sind gar nicht so tolerant wie es scheinen mag und sie sich gerne geben. Sie finden das System scheisse – ist das tolerant gegenüber denen, die ein Leben mit Häuschen, Familie, Hund und Job haben und dies so genau das Richtige für sie ist? Aussteigen ist nicht besser als in einem bürgerlichen Job zu sein, Banker sind nicht besser als Müllmänner, Künstler oder Veganer. Doch das ist schwer – wie schnell ist das eigene zum Richtigen geworden. Oder das, was man vermeintlich nicht haben kann als uncool deklariert, um es besser zu ertragen? Ich glaube, wenn man frei ist, wenn man genau so lebt wie es für einen ganz richtig ist, wenn man seine Träume lebt, dann ist man automatisch toleranter. Dann hegt man keinen Groll gegenüber Lebensformen, um die man andere insgeheim beneidet oder die man verabscheut – weil man selber darin gefangen ist. Ich glaube, Zufriedenheit mit dem eigenen Leben ist eine sehr gute Grundlage für Toleranz.

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