Wir sind Generation Y – Hamsterrad du kannst uns mal

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Wir wissen nicht was wir wollen. Wir probieren tausend Dinge aus, brechen Studium um Studium ab. Wir gehen auf Weltreise, wechseln den Job, gehen wieder auf Weltreise. Wir sind faul und wollen nicht arbeiten. Wenn wir es doch tun, sind wir nur auf unseren eigenen, maximalen Vorteil bedacht. Wir wollen flache Hierarchien, weil wir ein Autoritätsproblem haben, selbständig arbeiten, uns entfalten, flexible Arbeitszeiten und Home Office. Wir sind beziehungsunfähig, weil wir uns nicht festlegen können. Wir sind immer auf der Suche nach etwas Besserem. Wir sind verwöhnt. Wir sind Hedonisten, wollen nur Spass haben und nicht erwachsen werden, keine Verantwortung übernehmen. Wir bleiben ewig Kinder – Kinder der Generation Y. Über uns wird viel geschrieben und gemotzt. Vielleicht von Leuten, die neidisch sind auf unseren Lifestyle? Darauf, dass wir leben und nicht nur existieren?

Wir sind in der Veränderung aufgewachsen. Wir spüren, so kann es so nicht weitergehen. Wir spielten als Kinder im Wald, aber kennen uns mit Social Media aus. Wir sind Wandel gewohnt. In unserem Leben gab es nie viel wirklich Konstantes und immer viele Optionen, wir mussten uns andauernd entscheiden. Wir sind die erste Generation, die in Luxus aufwuchs. Darum vielleicht sind wir die Ersten, die merken: Noch mehr davon macht uns nicht glücklicher. Uns fehlte es nie an etwas. Mangel kennt die Generation Y nicht – ausser Mangel an Sinn. Und so suchen wir nach mehr – aber wir spüren, mehr Stutz, das iPhone 357, eine Loft im Primetower, ein Tesla und Wellness im sibirischen Luxustempel werden uns nicht glücklicher machen. Wir suchen Sinn, den wir in toter Materie nicht finden.

Unsere Welt ist noch kein Dorf, aber doch schon eine Stadt. Wir sehen in die Gesichter der Menschen, auf deren Kosten wir seit Generationen leben. Das macht uns betroffen. Wir sind die hippen Backpacker, die auf der ganzen Welt couchsurfen. Wir haben die Welt gesehen und damit auch die Missstände. Ich kam mir so ziemlich bescheuert vor, als in Nepal Sherpas, einen Kopf kleiner als ich, dreissig Kilo Gepäck schleppten – mein Gepäck. Wir sind offener für andere Kulturen, für Fremdes, was nicht mehr so fremd ist, war man selber da. Kletterer in Thailand unterscheiden sich nicht von Kletterern im Jura, wir haben alle die gleiche Leidenschaft. Wir sehen, was alles scheisse läuft und wie wir auf den Abgrund zusteuern. Noch mehr, noch schneller, noch grösser, krasser – irgendwie geht das für uns nicht mehr auf. Vielleicht können wir auch einfach nicht mehr mithalten, vielleicht dreht sich alles viel zu schnell, wer weiss. Der Aufwand steigt, der Grenznutzen sinkt rasant.

Ich war nie zufriedener als jetzt, obwohl ich in meinen glamourösen Marketingjobs viel mehr verdiente. So geht es wohl nicht nur mir, dazu gibt es sogar Studien: Ab einem gewissen, nicht mal besonders hohen Einkommen, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind, macht Geld nicht mehr zufriedener.

Weil wir nicht um unsere Existenz kämpfen müssen, haben wir Zeit. Hinterfragen, denken nach, grübeln. Wir brauchen Sinn im Leben, wir wollen verändern. Noch mehr Überfluss? Uns ist jetzt schon schlecht, überfressen von der Luxusvöllerei. Lieber wollen wir etwas tun, was Freude macht und erfüllt. Uns abends nicht leer und erschöpft ins Bett fallen lassen, nur um am nächsten Morgen im Hamsterrad hirnlos weiter zu rasen bis zum Herzinfarkt. Bis iPhone 357, Loft im Primetower, Tesla und die Märchenhochzeit auf Hawaii abbezahlt sind – wie wäre es einfach ohne den ganzen Ballast?

 

Nachtrag:
Du bist Generation Y und fragst dich, was schreibt die da für einen Mist. Klar, nicht alle Jahrgang Y sind gleich. Ich gebe denen eine Stimme, die Sinn suchen und nicht sinnlosen Luxus. Ich schreibe das für alle, die rechtfertigen müssen, warum sie ihr Leben geniessen und nicht jahrelang Tag für Tag im Hamsterrad verschwenden wollen um tote Luxusgüter zu kaufen. Egal wie alt , übrigens.

Wir haben ein unglaubliches Privileg an Möglichkeiten und Freiheit. Wo wäre der Sinn, nutzten wir sie nicht?

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