Saribung Peak – Mustang Trek

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Das Trekking durch das Mustang Gebiet in Nepal bietet Einblick in die traditionelle tibetische Kultur. Mit Trägern und Zelten wanderten wir durch karge Täler, über Pässe und bestiegen den Saribung Peak. Ein einsames Trekking abseits der grossen Massen.

Es dröhnt, die Watte in meinen Ohren nützen wenig gegen den Lärm des Propellers. Neun Plätze hat das Flugzeug, welches uns von Pokhara nach Jomson bringt. Am Horizont erscheinen hinter den grünen Tälern die ersten Gipfel des Himalaya. Die Sicht auf diesen Flügen ist immer gut, denn Instrumentenflug hat dieser Flieger nicht.

Sherpa Lakpa empfängt uns herzlich, wir verständigen uns mit Händen und Füssen und lachen uns gegenseitig an. Englisch kann nur unser Guide, der uns seit Kathmandu begleitet. Ich staune über die vielen Leute, neun Sherpas werden uns begleiten! Bereits fühle ich mich unwohl und schäme mich ob des Aufwands nur für uns zwei, ein Gefühl, das mich erst zehn Tage später in Kathmandu verlassen wird… Die Träger laden unsere Taschen auf das Dach des Jeeps. Wir quetschen uns vorne rein. Stundenlang werden wir durcheinander geworfen, auf den staubigen Schotterpisten die sich durch die Täler Mustangs schlängeln. Unser Ziel: Lo Manthang, der Hauptort von Mustang.

Lo Manthang

Die tibetischen Häuser aus Lehm sind weiss getüncht, auf den Flachdächern trocknet das Feuerholz. Wir fühlen uns um Jahrzehnte zurückversetzt. Die Menschen tragen bunte, traditionelle Trachten. Lasten tragen sie mit einem Band um den Kopf. Bunte Gebetsfahnen flattern im Wind, Gebetsmühlen warten gedreht zu werden – ein Bild wie aus einem Reiskatalog. Die buddistischen Tanka-Kunstwerke stehen an jeder Ecke, die Künstler preisen ihre Heiligkeit an.

Während den zwei Tagen Akklimatisation auf 3700 m besuchen wir die heissen Quellen in der Nähe. Das Wasser sprudelt aus der sandigen roten Erde. Die Felsen ragen wie Türme und Festungen um uns herum, in oker braun und gelb. Ich fühle mich verloren in der unendlichen Weite, durch die immer ein leiser Wind weht. In einem kleinen tibetischen Dorf schlürfen wir Tee und unsere Guides Chang, halbvergorenes tibetisches Bier.

Luri Gumpa

Dann endlich zieht unsere kleine Karawane über die braunen Hügel. Unsere Träger schleppen den Proviant für zwei Wochen, Zelte, Kocher und Sprit. Im Dörfchen Dhe erwartet uns ein Gasthaus, unsere erste Station. Von hier sind es nur eineinhalb Stunden nach Yara, das letzte Dorf für die nächsten Tage. Weil es erst elf ist besuchen wir das Kloster Luri Gumpa, es klebt hoch oben in den Felsen. Die Mönchen haben die natürlichen Caves in den Felsen vor Jahrhunderten zu einem Kloster ausgebaut. Ehrfürchtig bestaunen wir im flackernden Licht der Butterlampen, wie Lakpa die Gebtsmühlen dreht.

Wir starten früh, heute knacken wir zum ersten mal die 5000-Meter! Als wir erschöpft beim Lagerplatz ankommen staunen wir nicht schlecht: blaue Blechhütten bieten Nomaden ohne Zelt Schutz! Unser Guide funktioniert sie kurzerhand zur Küche um. Er ist anscheinend auch Chefkoch und zaubert Gemüse, Kartoffeln oder Reis, Fleisch und sogar Eier. Die trägt sein Gehilfe den ganzen Tag über in einem Karton an einer Schnur! In mehreren Etappen trekken wir bis zur Zunge des Gletschers, der vom Saribung Pass ins Tal fliesst.

Die Gegend ist leer und einsam und doch treffen wir immer wieder auf Menschen, meist Nomaden mit Pferden, Schafen und Ziegen. Unsere Träger freuen sich über frisches Schaf-Fleisch.

Wir zelten auf weiten Matten und in einem ausgetrockneten Flussbett, tief in einer felsigen Schlucht. Die Landschaft ist wunderschön und ändert sich jeden Tag. Aus den grünen Hügeln mit kargem Gras wird rot-brauner, hart gepresster Schutt und schliesslich der Gletscherfluss, den wir barfuss durchqueren.

Luxus auf dem Gletscher

An Luxus fehlt es aber nicht einmal auf dem Gletscher. Lakpa bringt uns jeden Morgen Tee direkt an den Schlafsack. Erreichen wir ein Camp, holt er als erstes Wasser und serviert uns süssen Tee. Lakpa ist sehr besorgt und ich muss mich durchsetzen, dass ich wenigsten meinen kleinen Rucksack selber tragen darf.

Kurz vor dem Basecamp erleben wir Auswirkung des Erdbebens, das wenige Monate zuvor Nepal erschüttert hatte. Ein Felssturz hatte die Gletscherlandschaft so stark verändert, dass die Guides den Lagerplatz für das Basecamp nicht finden. Eine Karte oder Kompass haben sie nicht, das Wissen über Wege und Lagerplätze wird von Guide zu Guide weitergegeben.

Jetzt sehen wir nur noch Steine und Gletscher. Wir folgen der Zunge einen ganzen Tag auf einem schmalen Schuttband zwischen riesigen Séracs, die wie Zähne in den Himmel ragen, hinauf zu unserem High Camp auf fast 5900 Metern. Es ist eines der schönsten Camps, auf einer schmalen Moräne, schlagen wir die Zelte am Fuss des Saribung Passes auf. Uns umgeben verschneite Gipfel, Täler und Gletscher. Uns kribbelts in den Fingern ob all der Gipfel um uns herum, unsere Kletter-Herzen schlagen höher!

Auf dem Gipfel des Saribung

Vor dem Saribung Peak hatten wir Bammel, auch wenn der Gipfel auf dem Trek nur die Kirsche auf der Sahne war. Trotzdem ist es eine einmalige Gelegenheit! Im Trittschnee steigen wir empor, das Gelände ist nicht besonders steil, gemächlich steigen wir bis zur Passhöhe. Ab hier ist das Spuren anstrengender, doch für einmal müssen wir nicht selbst ran. Everest-Veteran Sherpa Lakpa tritt eine bequeme Spur für uns.

Der Gipfel ist 6328 Meter hoch. Wir stellen wir die Gebetsfahnen auf, machen viele Fotos und staunen einfach. Die umliegenden Gipfel liegen leicht im Nebel. Ich kann kaum glauben, dass wir so hoch sind. Es ist erstaunlich warm, fast windstill. Ich bestaune all die steilen Wände, Couloirs und weissen Flanken.

Leider müssen wir irgendwann doch wieder runter, über den Gletscher und die Moräne bis zum Basecamp auf der anderen Seite. Der Abstieg hört fast nicht mehr auf. Wir sind alle froh, als wir das Camp erreichen. Unsere Träger errichten eine Stupa aus Stein und verbrennen Zweige. Religion ist in Nepal omnipräsent, die kleinen Rituale gehören zum Alltag.

Fondue in Phu

Der Weg zurück in die Zivilisation führt durch ein Flussbett und grüne Täler nach Phu. Das Gepäck der Träger wird mit jedem Tag leichter, Essen und Sprit sind fast verbraucht. Phu klebt an einem Hügel über einem breiten Tal. Die vielen Arme des Flusses glitzern am Talboden. Am Dorfeingang begrüssen uns eine Herde Yaks und die Gastgeberin mit Black Tea. Hier zieht unser Chefkoch nochmals alle Register: In der Pfanne blubbert Fondue! Das halbe Dorf kostet von der merkwürdigen Suppe. Wir feiern unseren Gipfelerfolg mit den Trägen mit Chang und Rakji. Auch wenn sie kein Englisch und wir kein Nepali sprechen – lachend und und trinkend verstehen wir uns. Wehmütig überreichen wir die ersten Trinkgelder, die Träger verlassen uns morgen.

Wir besuchen das Basecamp der Expedition am Himlung und staunen, was die Sherpas auf knapp 5400 Metern aufgebaut haben! Geheizte Zelte, eine Kaffeemaschine und sogar ein Duschzelt! Wir bleiben eine Nacht in dem luxuriösen Zeltdorf und plaudern mit Bergführer und Teilnehmern der Expedition.

Ab Phu ist die Landschaft viel grüner, wir wandern dem Fluss entlang durch den Wald. In Koto duschen wir zum ersten Mal seit fast zwei Wochen! Selbst das kalte Wasser verdirbt uns die Freude daran nicht. Ab hier fahren wir im Jeep auf dem Annapurna-Circuit nach Bensisahar. Die Strasse besteht eher aus Schlaglöchern als aus Strasse. Hübsche Dörfer und tiefe Schluchten lenken uns von dem Gerumpel ab. Pausen gibt es bei jeder Panne, die Fahrer hier sind auch Mechaniker. So erreichen sicher unser Ziel. Das Hotel erscheint nach den Wochen im Zelt enorm luxuriös – aber auch sehr langweilig.

Nachtrag: Wir hatten lange überlegt, ob wir so kurz nach dem Erdbeben nach Nepal reisen sollen. Wir haben es aus folgendem Grund getan: Nepal lebt vor allem vom Tourismus, der zu einem grossen Teil eingebrochen ist. Die Mustang Region war zum Glück nicht sehr stark vom Erdbeben betroffen. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sind alle froh um die Touristen, die noch kommen.

2 comments

  1. Hallo Jeannine; danke für einen tollen Beitrag zu Saribung. Ich bin am überlegen, diesen Trek mit meinem Sohn im Herbst zu machen. Könnest du eventuell sagen, welche Agentur es für euch organisiert hat.
    Vielen Dank.
    Freundliche Grüsse
    Jiri Stefan

    1. Lieber Stefan
      Wir haben den Trek mit Kobler & Partner gemacht. Schreib mir gerne eine Email, falls du mehr Informationen möchtest, ich gebe dir gerne Auskunft! Herzliche Grüsse Jeannine

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