Wer sind die Zwerge, die in deinem tiefsten Innern wohnen?

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Sich selbst genug sein. Mit dir selber gerne allein sein. Manchmal ist das schwer. Ohne Ablenkung und Unterhaltung von Aussen. Ohne Musik, lachende Kollegen, lärmendes Rundherum. Denn dann musst du hinhören, zuhören, was aus der Stille in dir ertönt. Allem, was da irgendwo in dir ist, deine Geschichte, deine Gedanken und Erinnerungen. Manchmal kommen Sachen hoch, die nicht so ganz bequem sind. Die irgendwo pieksen und ein Unwohlsein verursachen. Denen du lieber nicht zu Nahe kommst. Dinge, die dich verletzt haben. Erinnerungen an Sachen, die du lieber anders gemacht hättest. Situationen, für die du dich ohrfeigen könntest. Im Lärm des Alltags lassen sie sich einfach fernhalten. Aber ist es erst einmal still, so kommen sie hervor aus ihren dunkeln Winkeln. Als hätten sie die ganze Zeit über auf der Lauer gelegen, gewartet, bis der Moment günstig ist, die Unterhaltung verstummt und du mit dir allein bist. Dann kommen sie hervor, schleichen sich an dich heran, stupsen dich an, wollen gesehen, gehört und verstanden werden. Sie wollen deine ganze Aufmerksamkeit. Sie sind wie verstossene, verlorene Kinder, die allein im Dunkeln gelassen wurden. Sie wollen wahrgenommen und gehört werden, vielleicht auch angenommen. Wären sie dann schon zufrieden? Wenn sie ja doch nur nicht so hässlich wären. Knorrlig, wüst, krumm und klein. Manche sehen sie als kleine Monster, Dämonen, die nur darauf warten, aus dem Dunkeln hervorzukriechen, dich zu überfallen und einzunehmen. Wie viele haben Angst vor ihnen, laufen davon und tun wirklich alles, um sie in ihren dunklen Löchern gefangen zu halten, verdrängen den Gedanken daran, dass es sie in den versteckten Winkeln immer noch gibt.

Was wäre, wenn man sie einladen würde? Hervorzukommen, sich zu zeigen? Sie einfach nur mal anschauen. Die verknorcksten, vernarbten kleinen Zwerge. Vielleicht sind sie gar nicht so hässlich, wenn man sie nur lange genug betrachtet. Vielleicht sind sie einfach ein bisschen kurlig, haben krumme Beine und schiefe Zähne. Aber gar nicht so gefährlich. Vielleicht kann man sie hereinlassen, anschauen, ihnen zuhören, ihnen eine lustige Zipfelmütze anziehen damit sie hübscher aussehen? Vielleicht huscht dann sogar ein kleines Lächeln über ihre vernarbten Gesichter, wer weiss. Und dann? Wenn der Lärm, die Ablenkung, die Musik des Lebens zurück kommt? Gehen sie dann zurück in ihre dunkeln Löcher, immer auf der Lauer dich bei der nächsten Gelegenheit wieder zu überfallen und weiter zu quälen? Oder sind die Ecken dann nicht mehr ganz so dunkel, sind sie einfach da, wie Murmeltierhöhlen am Wegrand. Wohnen die Zwerge dann einfach da, kommen mal raus, halten die Nase in die Luft und blinzeln in die Sonne. Du siehst sie in der Ferne, doch sie sind einfach da, ohne Unbehagen, ohne schlechtes Gefühl. Denn du weisst, wer sie sind. Nur kleine Zwerge mit hübschen Zipfelmützen, die du ihnen geschenkt hast. Ihr seid vielleicht keine besten Freunde. Nachbarn halt, man kennt sich, man achtet, respektiert und grüsst sich und man teilt die Erinnerung an das, was einmal war.

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