Täschhorn-Dom Überschreitung

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Eine Überschreitung der Extraklasse! Schon die Anreise ins Biwak ist ein Erlebnis – und ein Viertausender wert. Eine schöne Tagestour, vom Mittelallalin, über den Feekopf, den breiten Schneegipfel des Alphubel und schliesslich den Felsgrat runter auf das Mischabeljoch ins Biwak. Der Grat gibt schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Tour vom nächsten Tag, er ist leicht ausgesetzt und der Fels nicht immer bombenfest…

Wer sich unter Hochgebirgsbiwak (das Mischabeljoch Biwi ist immerhin auf 3846 m Höhe) ein muffiger, enger, dunkler Verschlag vorstellt, wird freudig überrascht sein. Von aussen eine graue Blechschachtel auf Stelzen, ist das Biwak von innen einladen und freundlich. Helles Holz, ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit grossen Fenstern und die Sonne über dem wunderschönen Berg-Panorama machen es zu einem schönen Ort, für den allein sich die Tour schon lohnt! Und da ist der Sonnenuntergang noch nicht dabei…

Nach der Ankunft rekognoszieren wir den Einstieg, was sich sehr lohnt, wie wir am nächsten Morgen feststellen werden. Dabei ist der Fels so schön warm und die Route geht so leicht von den Füssen, dass wir, ehe wirs richtig merken, schon fast beim zweiten grossen Turm sind. Wir würden am liebsten grad ganz hochsteigen, aber wir sollten uns mal ums Abendessen kümmern und endlich mal was trinken in dieser Höhe. So machen wir uns auf den Weg zurück ins gemütliche Biwak.

Am nächsten Morgen zeigt sich, dass sich die Erkundungstour gelohnt hat. Es hat viele Steinmänner und man findet den Weg gut. Aber da es einige Male weit in die Flanke geht, und im dunkeln alles und nichts wie ein Weg aussieht, wäre es im Dunkeln ohne Vorkenntnisse sicher viel schwerer zu finden. Ab dem grossen Turm geht dann alles auf dem Grat. Das Klettern geht leicht, das Gelände ist einfach, sichern muss man nicht wirklich, kurzes Seil ist angesagt. Wir kommen gut voran. Bei der ersten grossen Wächte ziehen wir die Steigeisen an und nehmen den Pickel hervor, der Schnee ist hart gefroren. Im Mittelteil der Tour gibt es einige Wächten, die sehr heikel sein können. Wir haben Glück und ideale Bedingungen, trotzdem müssen wir bei einigen Wächten genau schauen, wo wir gehen und aufpassen. Kurz vor dem Gipfel erleben wir einen wunderschönen Sonnenaufgang! Wir bleiben staunend, die Sonne geht hinter den Bergen und dem Nebelmeer über Italien auf. Ein wunderschöner, ergreifender Moment, wie man ihn einfach nur in den Bergen erleben kann. Ab da geht es im leichten Schutt-Sandgelände unschwer zum Gipfel.

Das heikelste am ganzen Aufstieg sind die Querungen im schuttigen, sandigen Gelände, die Wegfindung und natürlich die Wächten, die je nach Bedingungen ziemlich fies sein können. Wir behalten die Steigeisen gleich bis zum Gipfel an, im gefroren Schutt/Sand ist es überraschenderweise noch ganz angenehm. Und nach drei Stunden stehen wir bereits auf dem Gipfel! Wir sind etwas überrascht – irgendwie hatten wir uns das beide schwerer vorgestellt… Nach Fotos und kurzer Pause (es windet dann doch ziemlich kalt) trennen wir uns von der anderen Seilschaft (ein netter Bergführer mit cooler Bergsteigerin). Wir nehmen den langen Weg Richtung Dom in Angriff. Der Grat sieht endlos lange aus, so viele Türme und Zacken, aber unser Ziel, das Gipfelkreuz vom Dom sehen wir bereits… Zuerst kommen einige Platten. Es sind aber immer gute Zacken zum sichern und Griffe um sich festzuhalten da. Der ganze Abstieg über den Grat ist lang und gar nicht so einfach. Aber wir geben ja auch noch Kür und überklettern Türme, die man einfach umgehen könnte. Manchmal, weils überklettern uns einfach anlacht, manchmal, weil eine fiese Wächte den Weg neben dem Turm durch versperrt. Trotzdem schaffen wir es in der Führerzeit zum Domjoch. Der Grat wird gegen das Joch immer einfacher, wir kommen besser voran und müssen weniger klettern.

Nun sieht der Gipfel vom Dom aus als wäre er in Reichweite – aber wir ahnen es schon, es ist weiter als es aussieht….

Am Anfang ist noch Gehgelände, wir lassen das Joch schnell hinter uns. Die Landschaft ist beeindruckend. Der Gipfel versteckt sich hinter einer Unzahl von Türmen, die aussehen, als hätte sie jemand aus losen Steinplatten aufgeschichtet, wir fühlen uns ein bisschne wie auf einem andern Planeten. Auf den ersten Blick haben wir keinen Durchblick, wie sollen wir da je hochkommen? Aber nach jedem Türmchen öffnet sich ein Türchen – der weitere Verlauf wird sichtbar. Trotzdem ist es nicht ganz einfach, den einfachsten Weg durch dieses Labyrinth zu finden. Manche Türme überklettern wir. Erst ist uns ganz flau, die Türme sehen aus, als brechen sie gleich zusammen wenn man sie auch nur anfasst. Sie sind dann doch erstaunlich stabil. Manche Türme kann man in der sandigen Schuttflanke umgehen und den Grat anschliessend wieder erklettern. Da aber in der Flanke etwas weiter weg die Steine im Minuten Takt herunter donnern, halten wir uns wann immer möglich lieber an den Grat. Fixe Friends und ein paar alte Schlaghacken sagen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Kletterei selber ist nicht schwierig – heikel macht sie nur, dass man nie weiss, welcher Griff hält und welchen man plötzlich in der Hand hält (und davon gibt es leider einige..). Aber wie im Führer beschrieben, wird der Fels am Gipfelaufschwung dann wieder schön kompakt und fest, und die letzten Meter sind ein Traum – so wie man sich eine schöne Kletterei vorstellt. Das Beste kommt auch hier zu Letzt: Wir steigen von der hintern Seite auf den Dom, direkt zum Gipfelkreuz. Eine wirklich famose Sache! Das Gefühl ist unbeschreiblich, die Zeit steht für einen Moment still…

Der Abstieg vom Dom geht leicht. Die Spur ist die reinste Autobahn und dank des grandiosen Panoramas wird der lange Weg etwas kurzweiliger. Wir staunen, wie weit man um die beeindruckenden Abbrüche vor dem Festijoch gehen muss und wie stark der Gletscher ausgeapert und zurück gegangen ist.

Nach einem Bier in der Domhütte müssen wir nochmals auf die Zähne beissen, das letzte Stück runter bis nach Randa ist dann doch zäh und wir können irgendwann nur noch an das frische, kühle Wasser aus dem Brunnen am Dorfrand denken…

Es war eine grandiose Tour, die alle Anstrengungen wert war, ein Saison-Highlight! Wir haben es genossen und behalten viele schöne Erinnerungen.

 

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