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Soulmate – nur ein abgelutschter Begriff oder real?

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Soulmate. Ein so abgelutschtes Wort. Schon fast Unwort des Jahres, kommt es in jedem zweiten Liebesschur und in mindestens allen die-schönsten-Liebessprüche-Büchlein vor. Man ist nicht allein, man findet seinen fehlenden Teil, man fühlt sich endlich ganz. Deckel auf den Topf. Ach wie schön.

Das erinnert mich an die griechischen Kugelmenschen und diese Vorstellung irritiert mich ehrlich gesagt ziemlich. Ich lege Wert auf Unabhängigkeit und Freiheit und mir ist Eigenständigkeit wichtig. Ich mag die Vorstellung nicht, nur die Hälfte einer Einheit zu sein. Denn das würde heissen, ich bin abhängig von der zweiten Hälfte, auf jemanden angewiesen und nicht selber meines Glückes Schmied. Das ist nicht so meine Art und gibt der Liebe, so schön sie ist, einen schalen Nebengeschmack. Die Sache bekommt einen Hacken, versteckte AGBs und Bedingungen. Nicht mein Ding. Liebe sollte nicht an Bedingungen geknüpft sein, sonst ist es ja keine bedingungslose Liebe?

Dabei finde ich den Gedanken hinter dem Begriff Soulmate eine schöne Idee. Nach dem Motto eins und eins gibt drei. Vielleicht sollte man das Konzept mal überarbeiten, den Begriff neu definieren. Zwei eigenständige Persönlichkeiten tun sich zusammen, zwei Ganze. Nicht, weil man den anderen braucht, aber weil er eine wunderschöne Bereicherung für das Leben ist. Nicht weil man abhängig ist vom anderen, sondern weil man freiwillig zusammen ist. Man kann sich jeden Tag neu entscheiden. Ich finde die Vorstellung viel schöner, dass jemand bei mir ist weil er es will – und nicht weil ich von ihm abhängig bin und er ein schlechtes Gewissen hätte, wenn er mich verlässt – oder umgekehrt. Zwei Menschen, die selbständig und unabhängig sind, die sich zusammentun, als Bereicherung, um das Leben zusammen noch mehr zu geniessen. Eine Beziehung, in der jeder den anderen akzeptiert und liebt wie er ist. Das Gesamtpacket oder nichts – schliesslich will ich selber nicht verändert werden, also lass ich es auch beim Anderen bleiben. Dabei wird man vielleicht aber doch ein besserer Mensch, weil einem der Andere immer wieder den Spiegel vorhält und so die Chance gibt, sich selber zu verändern.

Es lohnt sich schon deshalb, weil es einfach ein schönes Gefühl ist, jemanden zu lieben wie er ist. Ohne Ansprüche und Erwartungen. Erwartungen machen Dinge immer schwierig und kompliziert und bergen Potenzial für Vorwürfe und Enttäuschung. Niemand kann mich glücklich machen, das muss ich schon selber tun. Aber wenn ich es dann bin, kann ich das Leben von jemandem vielleicht ein bisschen bereichern. Das finde ich einen schöne Vorstellung.

Ich habe dreissig Jahre lang nicht daran geglaubt. Ich hielt es für eine schnulzige Rosamunde Pilcher Erfindung, Traum Vorstellung aus Hollywood, bestenfalls der Versuch, sich etwas schön zu reden, um es zu rechtfertigen und erträglicher zu machen. Sicher hielt ich es für nicht real. Aber das Leben lehrt einen die Lektionen immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Das Soulmate-Konzept war so eine Lektion für mich.

 

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