Ist dein Schrank auch so vollgestopft

Hast du auch zuviel in deinem Schrank?

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Wir ersticken langsam an unseren Habseligkeiten. Das anstrengende Streben nach immer mehr und mehr und immer teurer, immer das Neuste und Beste, eine Konsumgesellschaft, die alles hat, noch mehr, zuviel von allem und doch nie genug.

Bei der Müllentsorgung stapeln sich Berge von Sachen, die keiner mehr will. Sachen die nicht alt und kaputt aussehen. Dinge, die von ihren Besitzern gegen Neueres, Besseres und Moderneres eingetauscht wurden. Warum wollen die Menschen immer mehr haben?

Denn sind wir ehrlich, was von all dem Zeug, das wir anhäufen, mit dem wir unsere Häuser und Garagen vollstopfen, ist überlebenswichtig? Was von all dem würden wir wirklich vermissen? Wie viele Dinge haben wir schon lange vergessen im hintersten Winkel des Schranks, am Grund der untersten Schublade? Da staubt es vor sich hin. Bücher, die keiner liest. Spiele, die keiner spielt. Kleider, die niemand trägt. Dekoartikel, die nichts verschönern, deren Farben verblassten in den Jahren, in denen keiner sie anschaute. Warum trennen wir uns nicht von solchen Dingen? Warum hängen wir trotzdem daran und denken, wir könnten die Sachen ja irgendwann einmal vielleicht doch noch brauchen? Ist der Mensch von Natur aus ein Sammler? Hortet er einfach gerne? Der Höhlenmensch musste das ja wahrscheinlich tun – aber er fand gar nie mehr, als er wirklich brauchte. Nun ist das anders, wir kommen an weitaus mehr heran. Wir besitzen in einem Jahr mehr, als wir in einem ganzen Leben nutzen können. Der Höhlenmensch wurde oft gezwungen loszulassen – wir nicht. Wir haben genug Platz und Geld, um Dinge zu sammeln, zu horten und uns daran fest zu klammern.

Besitz suggeriert Sicherheit. Für jede Situation gerüstet. Rücklagen für schlechtere Zeiten. Wir sind so aufgewachsen, wer viel hat der ist reich, dem geht es gut. Besitz zeigt anderen, schaut her, ich bin wichtig, ich habe etwas erreicht. Status und Ansehen durch möglichst viel und möglichst teuren Besitz. Und nach Status und Ansehen streben viele Menschen.

Konsum dient auch als Kompensation. Als Entschädigung, für den ungeliebten Job, die Leere, die es hinterlässt, wenn man jeden Tag etwas tun muss, was keinen Sinn hat und keine Freude macht. Wie viele geniessen die kurzlebigen Endorphine des Kaufrauschs anstelle von wahrer Zufriedenheit durch ein freies und selbstbestimmtes Leben?

Zuviel Besitzen macht unfrei. Besitzen, das Wort sagt es ja schon, man sitzt – man sitzt fest auf einem Berg von Zeug, wird träge und unflexibel. Ich fühle mich eingeschränkt von zu vielen Sachen. Ich könnte nicht einfach umziehen, an einen neuen Ort gehen, meinem Herzen folgen. Ich müsste erst ein neues Haus finden, in dem all die Sachen Platz haben, alles einpacken, verpacken und viele schwere Kisten schleppen, Angst haben, dass etwas kaputtgeht, alles wieder auspacken, einräumen, einsortieren, allem seinen Platz suchen und geben, wie bei Tetris, die Dinge möglichst gut ineinander verschachteln, dass alles seinen Ort findet. Uff. Allein das zu schreiben ist anstrengend.

Weniger ist schneller verpackt und wieder eingeräumt. Ich bin viel freier bei der Wahl des neuen Ortes, der neuen Wohnung. Und ich habe weniger Angst, dass etwas kaputt gehen könnte. Wozu brauchen die Leute denn das alles? Ganz ehrlich, brauchen sie es wirklich oder haben sie sich einfach daran gewöhnt, soviel zu haben?

Klar, Loslassen ist schwer. Die Angst, etwas wegzuwerfen was man vielleicht doch irgendwann noch brauchen könnte, lähmt. Plötzlich weisst du nicht mehr, was nun wirklich wichtig ist und was nicht. Es geht einfacher, wenn du dich erst von Dingen trennst, die du ewig nicht benutzt hast, von denen du gar nicht wusstest, dass sie noch da sind. Probiere es mal mit kleinen Dingen aus. Denn mit allem, was du loslässt, befreist du dich zugleich auch von seelischem Ballast, von Verlustangst. Du wirst du ein bisschen freier im Kopf und im Herzen. Ausmisten befreit! Ist es nicht absurd, Angst zu haben etwas zu verlieren obwohl du es gar nicht brauchst?

Neues kann nur kommen, wenn es Platz hat. In ein volles Haus kann man nichts mehr hineinstopfen. Ich meine damit nicht, dass du einfach alles wegschmeissen sollst. Mit den meisten Dingen kannst du Anderen eine Freude machen. Dinge verschenken oder verkaufen an jemanden, der Freude an dem Gegenstand hat und ihn wirklich braucht und nutzt. Und du bekommst Platz und Raum für Schönes, für Neues. Das Leben ist ein Fluss. Wenn man immer vom Gleichen umgeben ist, kommt er zum Stillstand, wird seicht und trüb. Das Leben will fliessen, die Dinge in deinem Leben möchten kommen und gehen, damit das Wasser kristallklar bleibt.

 

 

Wenn du wissen willst, wie du (fast) allen physischen Ballast los wirst, empfehle ich dir das Buch von Katharina Finke:

4 Kommentare

  1. Hallo Jeannine!
    erst mal; geiles LOGO :-), tolle page, super beschreibung unseres Materialistendilemmas.
    Manchmal verstehe ich die messies, welche die materialle knappheit noch erlebt hatten und dann plötzlich ohne (finanzielle) Limitierung weiter gesammelt haben ohne den Überfluss zu erkennen. Das passiert vielleicht nicht nur (aber vor allem?) der Generation unserer Eltern…
    Man könnte jetzt dieses Problem in Bezug auf die outdoor scene betrachten. Da haben viele vielleicht angst draussen ohne all ihren plunder (bei den crazy sachen, die man halt so macht oft wohl zurecht :-P). Als Gegentrend sehe ich ein paar Freunde, die mit möglichst wenig und einfacher Ausrüstung rausgehen, nicht mal unbedingt spartanisch ultralight… einfach rausgehen mit wenig zeugs und ohne grosse Gipfelziele oder Leistungsbenchmarks. Für mich ähnliche Herausforderung wie für andere mit dem vielen Grümpel im Schrank ;-D.
    weiter so Jeannine!!
    cheers
    Roman

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    1. Hallo Roman Danke! 😉 Geht mir wie dir, die Generation, welche die Knappheit erlebt hat kann ich verstehen. Uns jedoch.. Ich glaube auch gerade draussen hat ein gewisser Minimalismus seinen Reiz! Grüessli Jeannine

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  2. Eines unserer grössten Probleme nach der Weltreise von rund einem Jahr mit den Kinder (2 und 4) war es, unsere zwei Rucksäcke abzulegen (mit deren Inhalten wir äusserst befriedigt waren!) und unser altes Gut zurückzuerhalten. Wir fühlten uns erschlagen, von all dem, was wir besassen. Selbst vier Monate nach Rückkehr macht es uns zu schaffen, vieles möchten wir verkaufen, vieles steht sowieso noch unangefasst im Keller. Momente sind deutlich wichtiger als Materialien!

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